Begegnung mit der Tradition

Schwarzenbergischer Schwemmkanal- Geschichte und Gegenwart
1774 legte zum erstenmal Ingenieur Josef Rosenauer seinem Arbeitgeber, dem Fürsten Schwarzenberg einen genialen Plan vor: Mittels eines Kanals sollte das Holz von den nördlichen Hängen des Böhmerwaldes über die europäische Hauptwasserscheide zur Großen Mühl und weiter auf der Donau bis nach Wien gebracht werden. In der damaligen Reichshauptstadt gab es große Holznot, darum waren die Brennholzpreise sehr hoch. Der erste Vorschlag Rosenauers wurde vom Fürst nicht angenommen.

Erst Anfang Mai 1789 wurde mit dem Bau begonnen. In der ersten Etappe bis 1793 wurde der Abschnitt von der Großen Mühl über die Wasserscheide beim Rùžový Vrch / Rosenhügel (heute U Korandy benannt) bis zum Hirschbach in Jelení Vrchy / Hirschbergen gebaut. 1821-1823, schon nach Rosenauers Tod, folgte der Bau der von Rosenauer vorgeschlagenen Strecke und wurde mit kleinen Änderungen vollendet. Unter anderem war auch ursprünglich ein 419 m langer Schwemmtunnel in Jelení Vrchy vorgesehen. Die gesamte Länge des Schwemmkanals erreichte 51,9 km.

An dem Bau waren bis 1200 Männer beteiligt, die unter unvorstellbaren Bedingungen in den dichten Urwäldern des Böhmerwaldes schwer gearbeitet haben. Auch beim Betrieb war es nötig, eine große Menge Personal einzusetzen: beim Holzeinwurf waren ca. 30 Männer eingesetzt, die Schwemme haben ca. 300 Personen beaufsichtigt, bei der Mündung der Großen Mühl in die Donau haben 350 Menschen gearbeitet.

Während den ca. 100 Jahren "der goldenen Zeit" des Schwemmkanals wurde zur Großen Mühl fast 8 Millionen Raummeter Brennholz geschwemmt. Die Schwemme nach Wien wurde 1892 beendet. Die letzte Schwemme nach Österreich - nach Haslach - war im Jahre 1916. Um 1900 wurde der Schwemmbetrieb im Böhmen von Brennholz auf Langholz geändert. Der Holztransport durch den Schwemmkanal zur Moldau und zum Holzplatz in Želnava / Salnau, resp. später in Nová Pec, dauerte bis 1961 an.

Der Schwarzenbergische Schwemmkanal wurde in der Tschechoslowakei in den 70er Jahren in die Liste der technischen Denkmäler eingetragen. Da der Kanal durch das frühere Grenzgebiet führte und durch den Forstbetrieb war der Schwemmkanal schwer beschädigt. Zu großen Schäden ist es auch in Österreich gekommen.

Ende der 80er Jahre wurde die Rekonstruktion des Tunnels in Hirschbergen durchgeführt. 1991 wurde zuerst als Privatinitiative, später auf Kosten der Forste der Tschechischen Republik (Lesy Èeské republiky) die Rekonstruktion des praktisch verschwundenen Kanals im Bereich des Iglbaches auf der tschechisch-österreichischen Grenze zustande gebracht. In den 90er Jahren begann die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Forste der Tschechischen Republik, der Nationalparkverwaltung mit der österreichischen Tourismusverbändegemeinschft Böhmerwald. Dank dieser wurde im Bereich des Iglbaches bis heute 1800 m Kanalstrecke auf böhmischen und 700 m auf österreichischen Gebiet rekonstruiert. Die Forste der Tschechischen Republik haben 1997 - 1999 den Schwemmkanal in der Steilstufe unter der österreichischen Ortschaft Morau saniert. 1999 hat die Nationalparkverwaltung eine Rekonstruktion des Schwemmkanals zwischen Jelení Vrchy und der Abzweigung der Hefenkriegbach-Riese in der Länge von über 11 km durchgeführt.

Entlang des Schwarzenbergischen Schwemmkanals führt praktisch in der ganzen Länge ein Begleitweg, der für Radfahrer befahrbar ist. Vom Anfang unweit der tschechisch-bayerischen Grenze führt ein blau markierter Wanderweg über Jelení Vrchy, Zadní Zvonková, den Grenzübergang Zvonková / Schöneben, das österreichische Sonnenwald, den Grenzübergang Ježová / Iglbach bis nach Rùžový Vrch, weiter bis zum Grenzübergang Koranda / St.Oswald bei Haslach, und von St. Oswald bei Haslach bis zur Steilstufe bei Morau. Im Bereich Ježová / Iglbach und bei Jelení Vrchy werden die Schauschwemmen durchgeführt.
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